Refugee-Protestcamp vor der BAMF

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Asyl / Dortmund
Schilder gemalt von den Refugees - Teil 1

Seit Dienstag gibt es gegenüber einer Außenstelle der BAMF in Dortmund (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) ein Protestcamp von geflüchteten Menschen aus Syrien. Sie protestieren dort für eine schnellere Bearbeitung ihrer Anträge auf Asyl in Deutschland. Im Fokus der Öffentlichkeit ist es seit dem gestrigen Angriff von Dortmunder Neonazis, bei dem es insgesamt fünf Festnahmen gegeben hat. Zu ihnen gehörte auch das Ratsmitglied von ‚Die Rechte‘ Michael ‚YouTubeStar‘ Brück.

Der Mensch, seine Familie und eine tolle Gruppe

Gestern, dem zweiten Tag des Camps, war ich mehr als zehn Stunden vor Ort und habe viele Eindrücke sammeln können. Hier einige Auszüge.

Am eindrucksvollsten empfand ich die Offen- und Aufgeschlossenheit aller dort protestierenden Menschen. Mir wurde sofort ein Platz auf eine ihrer Decken angeboten und ich habe mich auf Anhieb als Teil der ‚Familie‘ gefühlt. So habe ich auch einige ungezwungene Gespräche führen können. Ein Geflüchteter erzählte mir von seiner in Syrien verbliebenen Frau und seinem Kind. An jedem Tag, die er aufgrund des Verfahrens beide nicht nach Deutschland holen kann, bangt er um ihr Leben, weil es zu spät sein könnte. Es ist ein großer Unterschied, ob mensch das in den Medien liest oder hört, oder es direkt erzählt bekommt. Ich jedenfalls konnte meine Tränen für einen Moment nicht verbergen. Das erklärt sehr gut die Dringlichkeit eines beschleunigten Verfahrens. Ich wünsche es ihnen wirklich sehr.

Der zweite Punkt, den ich zur Erwähnung bringen möchte, ist die wundervolle Arbeit der Gruppe „Refugees Welcome Dortmund„. Den ganzen Tag waren Menschen vor Ort, haben Gespräche mit den Refugees geführt und zwischen Polizei und Geflüchteten vermittelt. Auch haben sie, weil es zur Auflage der Polizei für das Camp wurde, ein Dixi-Klo organisiert. Die gesamte Arbeit der Gruppe wird ehrenamtlich organisiert und geleistet. Ich verbeuge mich tief vor ihrem Engagement. Danke!

Um die Mittagszeit wurden wir von einer kleinen Gruppe der Refugees angesprochen. Diese wollten die geleistete Arbeit und Hilfestellung bezahlen. Das wurde zuvor mehrfach abgelehnt und letztendlich dann doch angenommen. Die Menschen aus Syrien wollen keine Almosen. Die Meisten von ihnen haben vor dem Krieg ein normales Leben in Syrien geführt und sie möchten hier lediglich ihr Recht durchsetzen. Selbstredend werden die in Empfang genommen Gelder wieder in die Unterstützungsarbeit gesteckt.

Das mit Twitter

Ich habe in erster Linie durch meine bloße Anwesenheit und mit etwas Öffentlichkeitsarbeit per Twitter (Hashtag #protestbamfdo) meine Solidarität gezeigt. Ausnahme war die Besprechung der Auflagen für das Protestcamp. In dem Schreiben war ein Punkt aufgeführt, indem es hieß, dass während der Nachtzeit nur 15 Schlafsäcke gleichzeitig belegt sein durften. Das war erstens so nicht abgesprochen und auch nicht haltbar, weil schon in der ersten Nacht ca. 50 Menschen dort geschlafen hatten. Wir haben darauf hingewiesen und die Beamten waren sofort kooperativ und boten an das mit der Einsatzleitung zu besprechen.

Folgendes möchte ich hier gerne feststellen, da ich in der Regel gegenüber der Polizei nicht zimperlich bin. Den ganzen Tag über habe ich beim Protestcamp freundliche und zuvorkommende Polizeimenschen erlebt. So muss das.

Zwei Stunden später, wir hatten bezüglich der Schlafsäcke noch nichts gehört, bin ich mit dem Anmelder und dem Dolmetscher des Camps, beides tolle und sehr liebenswürdige Menschen, zur Polizei gegangen um die Zahl 15 revidieren zu lassen. Erst zu dem Zeitpunkt wurde die Rücksprache mit der Einsatzleitung gesucht und ihrerseits ein Fehler bestätigt. Es durften mit sofortiger Wirkung alle Protestierenden in ihren Schlafsäcken liegen.

Geht doch Herr Lange

Am Abend noch wurde uns ein Statement von Polizeipräsident Lange zugetragen. Er sagte in einem TV-Interview, dass das Protestcamp vollen Schutz genießt, egal wie lange es andauert. Die andere, schönere Seite von Dortmund, auch wenn ich persönliche glaube, dass das Camp an dieser Stelle für Imagekosmetik genutzt wird. Wäre das Camp in der Innenstadt angesiedelt, würde es meiner Meinung nach ganz anders laufen. Trotzdem, für das jetzige Camp ist das eine erfreuliche Nachricht.

Einige Bilder möchte ich gerne mit euch teilen.

Ab heute wollen protestierende Menschen in den Hungerstreik treten. Morgen werde ich wieder den ganzen Tag vor Ort sein. Solidarität muss praktisch werden!

5 Kommentare

  1. @HuWutze sagt

    2013 war die diese Erfahrung noch egal, denn da hättest du auch schon Kontakt zu Syrern haben können, die genau so Angstvoll um ihre Angehörigen bangten. Was ist zu damals denn heute anders?

    Die selbe Problematik, nur andere Menschen.
    Und unsere sogenannten „Abgeordneten“ interessierte dieses Thema damals nicht die Bohne. Warum nur?

    Nimm es mir nicht übel wenn ich ganz offen sage: Dieses Engagement halte ich für gespielt und eine Farce.

    • Robert sagt

      Nehme ich dir nicht übel und abgesehen davon, dass mich deine Meinung #ausgründen nicht interessiert antworte ich trotzdem.

      Falls es dir entgangen ist, wir haben aktuell das Jahr 2015 und in zwei Jahren ändern sich Dinge (Nein. Doch! Oh!), so auch Fokussierungen bei Themen und Inhalten.

      Kommt noch mehr als platte Vorwürfe?

      • @HuWutze sagt

        Gut, in 2 Jahren ändern sich Dinge. Welche Dinge haben sich denn zu „damals“ verändert? Haste konkretes Beispiel? Eines tät genügen.

        Denn aus meiner Sicht ist die Problematik Flüchtlinge und Syrien heute genau so dramatisch wie vor 2 Jahren. Im Umkehrschluss also war mein Standpunkt von damals deiner von heute, oder? Denn meiner hat sich, wohl im Gegensatz zu deinem, nicht wesentlich in diesem besonderen Punkt verändert.

        Und ganz im Gegensatz zu dir/euch, habe ich nach wie vor Kontakt zu diesen Gruppen. Aber das nur am Rande.

        • Robert sagt

          Ich sehe keinen Grund ein Beispiel anzufügen und ebenfalls kein Rechtfertigungsdruck. Ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner Arbeit mit Geflüchteten.

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