Twitter mal wieder …

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Allgemein / In eigener Sache
Symbolbild. Twittersperre. es zeigt die Einleitung von einer Mail von twitter an mich das ich gesepterrt wurde.

Heute, am 23. April hat Twitter mir eine Sperre, mittlerweile die Zweite, auferlegt. Konnte man bei der Vorherigen noch darüber diskutieren, wie der Inhalt des entsprechenden Tweets denn verstanden werden könnte (unabhängig davon wie er gemeint war), ist es hier gänzlich anders.

Im aktuellen Fall habe ich einen Tweet eines geschützten Account gelesen und entschied mich diesen zu ‘befreien’, also als gekennzeichneten Retweet-Protected (RTp) zu übernehmen.

Der Tweet um den es geht

Rückmeldung von Twitter mit dem Tweet um den es geht

Es ist nur eine Spekulation, aber naheliegend ist, dass es in dem Fall um das Zitat: “verbrennt sie am eigenen Leib” geht. Die Aussage ist schlimm, sie ist menschenfeindlich und genau deshalb war es richtig und wichtig darauf aufmerksam zu machen. Zeigt es doch die aktuelle Bedrohungslage der Geflüchteten auf Lesbos. Anscheinend ist Twitter aber nicht in der Lage oder Willens zu unterscheiden, ab mit Hilfe eines Zitats auf Missstände aufmerksam gemacht wird, oder menschenverachtende Aussagen direkt getroffen werden. Da wird man sicherlich die Frage nach dem Warum stellen dürfen. Nach welchen Kriterien wird geprüft? Wer prüft? Wer segnet das ab?

Ja was ist denn da los?

Gefühlt lagen zwischen posten des Tweets und der Meldung seitens Twitter über die Sperrung weniger als eine Stunde. Auch habe ich keine Mail bekommen, dass man mich wegen dem Inhalt gemeldet hat. Twitter ist also von selbst aktiv geworden und eigentlich ist das ein Umstand, der zu begrüßen ist, wenn nicht dieser Beigeschmack von Willkür im Raum schweben würde. Wieder mal.

Nur ein Beispiel: Gestern haben viele von uns, ich auch, über diesen Account getwittert, der zigfach übelsten Antisemitismus rausgehauen hat. Ich selbst habe ihn zweifach gemeldet und beides Mal die Rückmeldung von Twitter bekommen, das dieser Inhalt nicht zu beanstanden ist. Ja was ist denn da los? Mir fehlt da eine klare und nachvollziehbare Linie ihres Repressionssystems. Geht das nur mir so?

Twitter-Support?

Es wird wohl nichts bringen, trotzdem habe ich den Support von Twitter mit folgendem Inhalt angeschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute bin ich wegen einem Tweet gesperrt worden. In dem Tweet habe ich auf die aktuellen Umstände und Vorkommnisse auf der griechischen Insel Lesbos aufmerksam machen wollen. Teil des Tweets war ein Zitat, das auch als solches gekennzeichnet war. Hier der ganze Text des Tweets: “”RTp: Macht die Scheiß Gefängnisinseln in Griechenland endlich auf. Heute Nacht Naziangriff mit Steinen auf Geflüchtete auf #Lesvos mit Schlachtruf “verbrennt sie am lebendigen Leib””

Dieses Zitat “verbrennt sie am lebendigen Leib” macht die Bedrohungslage der Geflüchteten dort deutlich und genau darum ging es mir.

Ich würde mir wünschen Sie überdenken Ihre Maßnahme noch einmal bzw. geben mir eine Rückmeldung warum Sie eben doch der Meinung sind meine Sperrung sei korrekt.

Nachtrag: Gestern habe ich einen Account gemeldet, zweifach, mit so krassen antisemitischen Inhalten und bekam beide Male die Rückmeldung, dass dies nicht zu beanstanden sei. Verstehen Sie meine Verwunderung?

–> Case#CAAAAAAAAYadLxwEAAAACf___9Q: Your report about @HolgerBerthold has been received.

–> Case#CAAAAAAAAYadLxwEAAAACf___9g: Your report about @HolgerBerthold has been received.

MfG

Robert Rutkowski

Was bedeutet so eine Sperrung?

Es gibt bezüglich solcher Sperrungen immer wieder Irritationen. Ich versuche mich mal an einer kurzen Aufklärung. Mein Account ist nicht gelöscht, weshalb er für alle sichtbar ist. Allerdings habe ich ihn aktuell geschützt, sodass er nur für meine Follower*innen zu sehen ist. Auf den ersten Blick sieht also alles normal aus. Allerdings kann (darf) ich für den Zeitraum der Sperrung nicht twittern, nicht antworten, kann nicht faven und nicht retweeten und auch keinen Accounts folgen. Was geht, ist das Schreiben und Beantworten von Direktnachrichten.

Lesen kann ich meine Timeline übrigens auch und möchte die Gelegenheit nutzen mich für eure Solidarität und zum Teil wirklich witzigen Reaktionen bedanken. Übrigens habe ich DAS MIT DER LICHTERKETTE auch gelesen. :)

Bis in ein paar Tagen so Twitter will …

Nachtrag

Es ist vielleicht keine so schlechte Idee, mittelfristig über eine Alternative zu Twitter nachzudenken, eine die NICHT Facebook ist. Was meint ihr und welche sind zu gebrauchen bzw was sind eure Favoriten? Schreibt es doch bitte als Kommentar. Bin gespannt.

Updates

1. Der von mir angesprochene Account mit antisemitischem Content ist mittlerweile gesperrt worden (nicht mehr sichtbar). Gut so.

2. Das Handelsblatt berichtet auch über die aktuellen Zustände auf Lesbos. Im entsprechenden Artikel findet sich das von mir verwendete Zitat fast eins zu eins: „Verbrennt sie lebendig!“.

3. Ich freue mich über viele neue Follower*innen. Die schlechte Nachricht ist, solange meine Sperrung andauert kann ich leider nicht zurück folgen. Hole das nach sobald ich ‘darf’. Ich bitte um Nachsicht.

4. Auch der Kölner Stadt-Anzeiger bestätigt in ihrer Print-Ausgabe das von mir verwendete Zitat. Danke an @MatthiasSchmit9 für den Hinweis.

5. Heute festgestellt, dass Accounts, die ich zusätzlich zu meinem über Tweetdeck verwalte, ebenfalls gesperrt wurden. Diese allerdings nur für 24 Stunden. Mittlerweile sind die zwar wieder ‘frei, allerdings kann ich sie weiterhin nicht über Tweetdeck bespielen, weil der Hauptaccount noch sechs Tage ‘in Haft’ ist. Twitter baut da richtig Scheiße.

Mailaustausch mit dem Twitter-Support

In meinem obigen Beitrag habe ich den Text meiner Mail an den Twitter-Support mit euch geteilt. Nun habe ich eine Antwort bekommen und es ist schlimm, schlimmer als ich angenommen hatte. Die Antwort ist eine Automatisierte, also eine ohne darauf einzugehen was offensichtlich ist. Sie schreiben es so, als wäre ich derjenige gewesen, der diesen Ausruf “verbrennt sie am lebendigen Leib” getätigt hat. Ich hätte ihnen mehr Lesekompetenz zugetraut. Wäre es nicht der 25. man könnte es für einen Aprilscherz halten – nur ohne lustig.

Antwort von Twitter - Ihnalt bullshit

Ich habe zwar geantwortet aber betrachte es damit als erledigt. Kurz: Der Twitter-Support ist in der jetzigen Form nutzlos. Hier meine Rückmail:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin wirklich enttäuscht, dass auch nach Prüfung keine Einsicht vorhanden ist. Ich habe niemanden bedroht und werde es auch nicht. ich habe Zustände beschrieben wie sie aktuell in Lesbos herrschen und wie Neonazis (die haben den Ausruf getätigt) gegen Geflüchtete dort agieren.

Sowohl das Handelsblatt wie auch der Kölner Stadt Anzeiger geben mir recht, weil beide in ihren Artikeln diesen Ausruf der Nazis, auch als Zitat, wiedergeben.

Handelsblatt –> http://www.handelsblatt.com/politik/international/migration-fluechtlingszahlen-in-griechenland-steigen-wieder-gewaltexzesse-auf-lesbos/21203164.html

KSTA –> https://twitter.com/MatthiasSchmit9/status/988663432999243776

ich hätte vollstes Verständnis für ihre Maßnahme hatte ich das selbst und gegen Andere verwitterte. Habe ich aber nicht und so bleibt es bei dem Gefühl von Willkür und fehlerhaftem Monitoring ihrerseits.

Mit freundlichen Grüßen

Robert Rutkowski

Ich habe mir jetzt als Backup einen Account auf Mastodon angelegt und spiele dort vorerst ein wenig rum. Sobald ich da warm bin und meine Überlegung gereift ist gänzlich dorthin zu wechseln, lass ich es euch wissen.

Bei Twitter bin ich ‘angezählt’. Ab jetzt schwingt bei jedem Tweet eine diffuse Angst mit. Es könnte der letzte sein …

13 Kommentare

  1. dublinstinkt sagt

    mastodon scheint das einzig halbwegs vernünftige zu sein. zumindest ist mir noch nichts anderes begegnet, was nicht deutliche abstriche bedeuten würde

  2. Tim sagt

    Komm zu uns auf Mastodon und bring gleich paar Leute mit. Wär doch gelacht wenn wir das “Hier ist keiner” Problem nicht lösen indem wir alle wen mitnehmen.

  3. Robert sagt

    Mastodon also (der Name klingt eher nach Medizin als nach Network). Ich schau mir das mal an. Danke für eure Hinweise. :)

  4. Sören Schneider sagt

    Wenn du das objektiv beurteilen würdest, dann würde dir bestimmt auffallen das dann Tür und Tor, den Nazis für sowas geöffnet wären. Einfach Rtp und dann könnten sie schreiben was sie wollen 🤔? Du hättest einfach hinschreiben sollen von wem direkt das kommt bzw. das du es nur zitierst. Das hört sich ja auch zweideutig an bzw. man könnte es darin erkennen.

    • Robert sagt

      Möglicherweise hast du das Konzept von geschlossenen Accounts nicht auf dem Schirm, würde man einen Namen dran hängen wäre es ein Leak und damit ein NoGo. Aber um das RTp geht es hier auch gar nicht, sondern um den Satz in ” “. Klarer geworden?

  5. herr meier sagt

    ..heute bin ich wegen einem Tweet gesperrt worden….

    Mein lieber Herr Gesangverein; Ihre Grammatik ist ja noch bemitleidenswerter als Ihre Vita.

  6. Robert sagt

    Ich habe zu meiner Sperrung den Sascha Lobo gebeten sich das mal anzusehen und zu bewerten. Seine Einschätzung darf ich hier mit euch teilen und ich halte sie für sehr nachvollziehbar:

    “ich kann dir den hintergrund der twittersache sagen.

    die unternehmen sind sehr, sehr nervös, das netzdg hat sie schon aufgescheucht, und die facebook-sache noch mehr. sie befürchten ernsthafte konsequenzen, die wollen sie vermeiden. gleichzeitig scheinen us-nazis tricks entwickelt zu haben, um hass zu verbreiten: zitat und scheindistanzierung. sowas wie: “tötet alle juden”, heute auf einem plakat gelesen, unmöglich sowas, ts. – ich bin daher sehr sicher, dass du hier das opfer von overblocking geworden bist, wo zweifelsfälle von hasszitaten beinahe genauso behandelt werden wie hass-zitate.

    eine vermutliche abhilfe wäre, hass-zitate mit ersetzungssternchen zu versehen, die man sich denken kann, aber auch das könnte von nazis re-instrumentalisiert werden und käme dann auf die liste.

    twitter in deutschland ist ein haufen kehricht, aber in den usa sind sie inzwischen einigermaßen alert. die regeln, die hier angewendet werden, kommen größtenteils 1:1 übersetzt von dort. insofern heisst es, fürchte ich, noch vorsichtiger zu sein.

    liebe grüße!”

    Tja, dem ist wohl so. Erst gestern ist eine Freundin wegen dem Meme: “Lösch dich” gesperrt worden. Der Ausspruch wurde seitens Twitter mit Suizid in Verbindung gebracht. Wir sollten wohl vorsichtiger sein, zumindest dann, wenn man auf Twitter nicht verzichten möchte …

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