Gegen jeden Antisemitismus – Nur eine Phrase?

Schreibe einen Kommentar
Antisemitismus / Ausstellung / Demonstrationen
Banner mit der Aufschrift: Gegen jeden Antisemitismus.

Seit zwei Tagen denke ich nun darüber nach etwas zu dem Thema zu schreiben. Heute Morgen ist ein guter Zeitpunkt, fahre ich doch gleich nach Köln zu der Eröffnung der Ausstellung “Du Jude! – Alltäglicher Antisemitismus in Deutschland“, zu der ich ein Bild beisteuern durfte. Der Anlass ist aber ein anderer. Am 13. Oktober findet in Berlin eine Großdemo mit dem Motto “#UNTEILBAR” statt.

Ich finde solche Großdemos wichtig, setzen sie doch ein Zeichen und bieten einem breiten Spektrum Anschlussmöglichkeiten und genau da liegt auch eines der Probleme. Das zieht leider auch Spektren an, die sich selbst auch links definieren, es aber mit dem Thema Antisemitismus nicht so genau nehmen bzw. direkt offen antisemitische Kampagnen wie BDS “Boycott, Divestment and Sanctions” unterstützen. Der sehr von mir geschätzte Patrick Gensing hat es im letzten Jahr aufgegriffen: “Was ist BDS“. Seit September diesen Jahres stuft der Berliner Verfassungsschutz BDS als antisemitisch ein.

Es geht aber auch ‘heimlicher’, wie bei einigen Parteien und deren Jugendorganisationen. Sie stellen ihre Solidarität für Palästinenser*innen und eine sogenannte “Israelkritik” in den Vordergrund. Im Ergebnis ist es häufig das Selbe – Israel als Staat delegitimieren. Ein Beispiel hierfür ist die MLPD, die es immer wieder schafft, sich in den Vordergrund zu schieben. Strategien hier sind häufig sich als Initiator*innen von Versammlungen zur Verfügung zu stellen oder sich auf andere Weise tief in Strukturen zu vergraben. Zuletzt geschehen bei der Demonstration gegen das Polizeigesetz in NRW in Dortmund am 6. Oktober. Wer da tiefer gehen mag, der @jay_ooh hat zur MLPD viel lesenswertes geschrieben. Besonders diesen Tweet möchte ich herausstellen. In diesem Blog gibt es von ihm einen Gastbeitrag zum Thema.

Zurück zu UNTEILBAR

Auch hier schaffte man es nicht mit dem Aufruf oder eigenem internen Regelwerk Gruppen und einzelne Menschen wie Kerem Schamberger auszuschließen. Die Ruhrbarone haben dazu was geschrieben. Ich verstehe nicht, dass es Strukturen nicht schaffen sich eindeutig von solchen Leuten zu distanzieren und diese auszuschließen. Klar kann jede*r sich online in so eine Liste eintragen und nicht immer sind alle Akteure bekannt, aber spätestens auf Zuruf sollte man reagieren. Sonst muss man sich den Vorwurf gefallen lassen es mit Antisemitismus nicht so genau zu nehmen. Und ich finde, wir haben es verdammt nochmal sehr ernst mit damit zu nehmen *wirft mit Geschichtsbüchern*. An dieser Stelle wird dieses ‘wir wollen viele sein und über inhaltliche Differenzen wegsehen’ ein Dilemma.

Fazit:

Der Bannerspruch “Gegen jeden Antisemitismus” darf nicht zu einer hohlen Phrase verkommen. Bitte helft mit, klärt auf und tretet dafür ein, dass einzelne Menschen und Gruppierungen die antisemitischen Müll verbreiten keine linken Versammlungen und/oder Strukturen unterwandern. Wenn es nicht ohne sie funktioniert, sind die Strukturen selbst das Problem.

So, dass war Koralle ungewaschen und (fast) nackig am Morgen. Jetzt anziehen und zur Ausstellungseröffnung nach Köln fahren. Unter anderem wird dort auch der Antisemitismusbeauftrager der Bundesregierung Dr. Felix Klein anwesend sein. Ich bin sehr gespannt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.